Zuerst habe ich
mich verliebt
in den Glanz deiner Augen
in dein Lachen
in deine Lebensfreude
Jetzt liebe ich auch dein Weinen
und deine Lebensangst
und die Hilflosigkeit
in deinen Augen
Aber gegen die Angst
will ich dir helfen
Denn meine Lebensfreude
ist noch immer der Glanz in deinen Augen
(Erich Fried; aus
dem Gedichteband:
Als ich mich nach dir verzehrte)
KLEINE MORGENGYMNASTIK
Ich stehe mit dem
richtigen Fuß auf,
öffne das
Fenster der Seele,
verbeuge mich vor allem,
was liebt,
wende mein Gesicht
der Sonne entgegen,
springe ein paarmal
über meinen Schatten
und lache mich gesund.
ABER
Scheitern,
aber nicht verbittern.
Betrogen werden,
aber nicht betrügen.
Illusionen aufgeben,
aber nicht die Hoffnung.
Enttäuschungen erleiden,
aber nicht resignieren.
Sich abfinden,
aber nicht abstumpfen.
Belogen werden,
aber aufrichtig bleiben.
Träume verlieren,
aber nicht das Träumen.
SOMMERGEDANKEN
Ich nehme mein Leben
in die Hand.
Leicht ist es
und gut zu fühlen.
Zeit gilt nicht,
wenn alles lauscht
und nur der Atem geht
wie sanfter Wind durchs Gras.
Ich schaue hoch.
Wer ich bin,
ist nicht zu sagen;
ich mache mir keinen Vers auf mich;
kein Wort ist so grün
wie die Blätter der Bäume.
Ich bleibe auf dem Teppich
meiner Möglichkeiten
und hoffe,
dass er fliegen lernt.
VORSÄTZE
Ich möchte nicht
mit dir
zusammen alt werden,
sondern jung bleiben.
Ich werde deinen
Ängsten
die Suppe versalzen
und deiner Liebesfähigkeit
mein Jawort geben.
Ich will lernen,
immer offener zu werden,
im Reden und im Schweigen.
Und wenn ich kann,
will ich der Spiegel sein,
in den du siehst,
wenn deine Augen leuchten.
Mehr mag ich
dir nicht zusagen.
Versprechen,
das sind Worte,
geschrieben in den Küstensand
bei Ebbe.
© an den Texten by Hans Kruppa
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